Fachartikel Clubhouse goes Workplace – Was wir vom Hype in den digitalen Arbeitsplatz übernehmen können

Ich oute mich. Clubhouse mag ich gern. Trotz aller Nachteile, die an den verschiedensten Stellen bereits ausführlich diskutiert sind. Die letzten Wochen habe ich dort vielen interessanten Gesprächen zugehört und Dinge gelernt. Leicht konsumierbar und unkompliziert. Simon Dückert stellt dazu passend gerade ein Audiobarcamp auf die Beine, was ich eine klasse Idee finde.

Was will uns der Hype sagen?

In der Vergangenheit haben die Trends aus Social Media und „dem Internet“ auch früher, meist aber später, Einzug ins Unternehmen gehalten. Irgendwelche Informationen in Feedform darzustellen und Beiträge zu liken machen wir inzwischen privat und beruflich gleichermaßen. Die Frage ist für mich, was wir aus dem Hype für Clubhouse für die interne Kommunikation und den digitalen Arbeitsplatz lernen können? Vielleicht nicht mal direkt lernen, sondern eher geschickt adaptieren.

Kennt Ihr die Sightseeing Busse, bei denen man als Touri hop-on und hop-off machen kann? Bestimmt. So, nur als Telefongespräch funktioniert Clubhouse. Ohne Schnickschnack außen rum. Zuhören bei Bedarf, Mitreden bei Lust drauf und Kommen und Gehen, wie es passt. Keine Dokumente oder eine Präsentation, die vor- oder nachbereitet werden müssen und keine Suche nach einem lustigen Gif für den Chat. Kein Mitschnitt, der nachgehört werden sollte.

Durch diese Rahmenbedingungen stellt sich schnell eine erstaunlich authentische Gesprächsatmosphäre ein, die mit einem guten Moderator Spaß beim Zuhören macht. Ich denke mal, dass die aktuelle Lage mit vielen täglichen Videokonferenzen und der kollegenarmen Homeoffice-Situation das ganze natürlich befeuert, dass es sich gerade zum Trend entwickelt.

Ganz konkret – Corporate Learning

Heute früh beim Zähneputzen habe ich ein paar gute Hinweise über die Wirkung von Stimme und deren Training bekommen. Beim Zähneputzen, bevor ich an den Schreibtisch bin. In den Unternehmenskontext adaptiert braucht man dazu nicht viel. Einen Experten oder besser zwei für ein Thema, Stimme und Rhetorik als Thema passt ja auch gut im Unternehmenskontext, einen Moderator und Microsoft Teams. Zack, steht das Setup. Der Chat bleibt leer und die Kamera aus.

Die Promotion läuft über Yammer und/ oder im Intranet. Eine kurze Beschreibung und der Link zur Teams-Besprechung, der dann direkt genutzt werden kann. Praktisch ist auch, dass ein Talk durch Microsoft Teams mitgenommen und übertragen werden kann. Wenn der Kollege vom Schreibtisch aufsteht, um sich etwas zu Essen zu machen, kann die Teilnahme einfach ans Handy übertragen werden.

Ein Austausch im Unternehmen zu verschiedenen Homeoffice Workhacks ist auch noch eine konkrete Idee.

Ganz konkret – Strategietalk

Verschiedene Führungskräfte unterhalten sich über die Strategie und die Jahresziele. Über ihre Interpretation und wie sie Prioritäten dazu setzen in ihrem Verantwortungsbereich. Ganz bewusst nicht in genau dem Wortlaut der bereits offiziell veröffentlicht ist. Sondern auch gern die Emotion dabei und vielleicht auch behind the scenes, wie es dazu gekommen ist.

Ganz konkret – Kundenstory

In vielen Unternehmen sind einzelne Mitarbeitende durch ihr Aufgabengebiet relativ weit weg vom Kunden. Thema für so ein Gespräch kann es natürlich auch sein, dass sich Kollegen aus dem Vertrieb unterhalten, wie sie aktuell den Markt, die Kundenwünsche und das eigene Produkt dazu einschätzen. Was gibt es aus dem Nähkästchen zu erzählen und auf welche Erfolge sind sie richtig stolz?

Die ultimative nicht vollständige Ideenliste zusammengefasst.

Damit das ganze erfolgreich starten kann, sehe ich diese Tipps.

  • Sicherstellen, dass die Personen auf der Bühne auch etwas Spannendes hinbekommen, wenn niemand aus dem Zuhörerkreis eine Frage hat.
  • Als offenes Format verstehen. Wenn noch eine Frage ist, darf es auch länger dauern, oder die Diskussion gerade sehr gut. Warum nicht, es kann sich ja jeder ausklinken, der weg muss.
  • Mit Tageszeiten und Längen spielen. Welche Anfangszeit ist geschickt und welche Dauer? Tatsächlich auch mal nach Feierabend oder für die ganz early Birds oder doch der Klassiker zum Mittagessen? Ausprobieren oder verschiedene Möglichkeiten im Intranet zur Wahl stellen und voten lassen. Auch mal ungewöhnliche Zeiten probieren.
  • Spielregeln einmalig festlegen. Zum Beispiel Kamera aus, kein Chat, keine Doku, kein Tracken der Anwesenheit, keine lange Vorstellungsrunde bei Fragen, die (Nicht)Teilnahme hat keinen Einfluss auf xy … Zum Thema Chat hat Oliver hier eine interessante Info geschrieben.
  • Der Moderator sieht ja an den Zahlen, was sich so tut bei den Zuhörern. Wenn da viel Wechsel passiert, was ja grundsätzlich vollkommen ok ist, muss er immer wieder kurz zusammenfassen, damit die Neuen auch ins Gespräch einsteigen können. Eine hohe Kunst als Balance zwischen langweilig für die längeren Zuhörer und peinlich für die Neuen.
  • Vorbei ist vorbei. Auch im Unternehmenskontext. Kein „das besprechen wir dann nochmal unter 4 Augen weiter“ oder „ich stelle uns da im kleinen Kreis einen Termin dazu ein“.
  • Gespräche als Experte nicht skripten! Der Moderator hat einen Faden, der Rest nicht. Sonst wird es ein Podcast oder Radiobeitrag.
  • Ins Gespräch kommen als oberste Priorität. Durch Handheben kommen die Zuhörer auf die Bühne und genau das sollen sie auch. Dadurch lebt das Format. Interaktion auch auf die Gefahr hin, dass eine Frage nicht beantwortet werden kann oder kritisch ist.
  • Aktives Mikrofonhandling. Ich will nicht, dass mir 20 Kollegen beim Zähneputzen zuhören. Zum Glück hat das der Moderator in Teams in der Hand. Das sollte aktiv genutzt werden.
  • Zäh sein. Wenn ein Thema mal nicht ankommt und keine Hörerschaft findet, nicht schlimm. Vielleicht kann ein Learning daraus gezogen werden. Einen weiteren Versuch in abgewandelter Form ist es alle mal wert.

Was seht Ihr noch?

Stufe 2 Advanced Unternehmensclubhousing

Im Normalfall werden die Gespräche vorher zum Beispiel von der IK geplant, es findet ein kurzes Briefing statt und die Termine werden zentral eingestellt. Wäre es aber nicht klasse, wenn auch jeder Kollege zu einem kurzen Austausch einladen kann? Zum Beispiel in einer verfügbaren freien Lernzeit oder immer freitags ab 14 Uhr oder so. Eine Maßnahme, die 100% auf das Ziel der stärkeren Vernetzung der Kollegen zur besseren Kundenzufriedenheit einzahlt.

Weiter gedacht kann dieses Format natürlich auch zur schnellen Lösungsfindung genutzt werden. Wenn der Yammerthread nicht mehr ausreicht oder sich verzettelt bzw. es einfacher ist zu sprechen, warum dann mal nicht einen Talk mit einem special Intrest Thema anbieten und verschiedene Perspektiven zusammen holen? Gerade durch die Promotion im Intranet können Kollegen in den Drunterkommentaren direkt erwähnt werden. „@xy hast Du nicht neulich auch so ein Problem gehabt?“ Einen gemeinsamen Zeitslot zu finden ist eh immer unmöglich, aber mal 10 Minuten mit rein gehen und qualifiziert zu helfen ist bestimmt öfters drin.

Einer noch. Wie wäre es, wenn auch Partner und Kunden direkt mit in einen Talk gehen? Im Teams Tenant als Gäste sind sie sowieso. Den Gedanken finde ich auch sehr spannend. Vielleicht nicht als erster Schritt, aber nach und nach, warum nicht.

Soweit. Für mich ein spannendes Thema mit richtig viel Potenzial drin. Wie seht Ihr das, was habe ich vergessen? Natürlich können wir auch einfach einen Clubhousetalk dazu machen und uns austauschen. 😉

Danke Lisa für das Sparing zu diesem Artikel.

Kommentare

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    Nadine Schäffer