Events Fachartikel Partner Unternehmen INTERVIEW ZU ENTERPRISE 2.0 – „EXPERTENWISSEN UND INNOVATIONEN NUTZEN!“

Was ist Enterprise 2.0 und wie kann ich es erfolgsversprechend in meinem Unternehmen einsetzen? Diese und andere Fragen werden uns immer häufiger von Kunden und Interessenten gestellt. Die SharePoint- und Enterprise 2.0-Expertin Michaela Meusel hat uns in einem exklusiven Interview unsere Fragen zu diesem Thema beantwortet.
Frau Meusel, was verstehen Sie unter dem Begriff Enterprise 2.0 und was steckt tatsächlich dahinter?
 
Unter Enterprise 2.0 kann der Einsatz von Web 2.0 in Unternehmen verstanden werden. Man kann hier nicht von einem komplett neuen Ansatz in Abgrenzung zu Web 2.0 sprechen, viel eher beschreibt Enterprise 2.0 den Einsatz von Social Software und Technologien des Web 2.0 im Unternehmen. Technologien und Anwendungen die wir aus dem Internet und privaten Umfeld kennen, werden auch im Unternehmen, das heißt im Arbeitsumfeld genutzt. Dementsprechend baut Enterprise 2.0 auf das bestehende Konzept des Web 2.0 auf, ergänzt dieses jedoch mit unternehmensspezifischen Aspekten. Kulturwandel im Unternehmen, Sicherheit der Daten sowie Relevanz und Anpassung an die Situation des Unternehmens können als solche Aspekte genannt werden. Unter Enterprise 2.0 ist somit eine spezifische Herangehensweise oder Sichtweise des Themas Web 2.0 zugeschnitten auf die Anforderungen von Unternehmen und Mitarbeitern zu verstehen.
 
Welche Potentiale sehen Sie für Unternehmen, die Enterprise 2.0 realisieren möchten?
 
Die Potentiale sind vielfältig und hängen vom jeweiligen Unternehmen sowie den Einsatzszenarien ab. Generell kann Enterprise 2.0 ein hohes Innovationspotential zugeschrieben werden. Unternehmen werden durch den Einsatz von Enterprise 2.0 flexibler. Dies entsteht durch Wissens- und Erfahrungsaustausch, gemeinsamer Informationsgenerierung, der Sichtbarkeit von Experten, Anpassung an die Arbeitsweisen und Denkweisen der Mitarbeiter sowie Förderung des eigenverantwortlichen Handelns. Möglichkeiten des Identitätsmanagements seitens der Mitarbeiter fördern die Unternehmenskultur, strukturelle Löcher können überwunden und Synergien genutzt werden.

 
Worin sehen Sie für Unternehmen die Herausforderungen zur Einführung von Enterprise 2.0?
Es ist ganz klar festzuhalten, dass es nicht damit getan ist, Web 2.0 Technologien und Anwendungen wie z.B. Wikis im Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Das heißt, allein der Einsatz neuer Technologien ist nicht als Enterprise 2.0 zu verstehen und wird ohne grundlegende Konzepte nicht zum Erfolg führen. Unternehmen stehen vor der Herausforderungen Technologien und Arbeitsweisen einzusetzen, die die Mitarbeiter aus ihrer privaten Internetnutzung kennen. Dies kann nicht eins zu eins ins Arbeitsumfeld übertragen werden. Darüber hinaus muss der Einsatz von Enterprise 2.0 im Regelfall auch mit einem Kulturwandel einhergehen. Die breite Masse der Mitarbeiter wird zum Informationsproduzenten und muss die Technologien wie z.B. Wikis oder Social Networking Anwendungen aktiv nutzen. Hier ist ein Umdenken gegenüber klassischen Intranets erforderlich. Denken Sie beispielswiese an Plattformen wie XING. Diese funktionieren nur, da sich viele Mitglieder beteiligen und zumindest ihr Profil pflegen. Auch im Unternehmen muss eine kritische Masse an Nutzer erreicht werden, um von Enterprise 2.0 profitieren zu können. Was wiederum mit einer Kultur des Vertrauens einhergehen muss. Welcher Mitarbeiter wird seine Expertise bzw. seine Erfahrungen in Wikis austauschen, wenn er für sich keinen Nutzen sieht und sogar Angst hat sich dadurch ersetzbar zu machen? Diese Faktoren müssen bei der Einführung von Enterprise 2.0 beachtet werden. Viele Hemmschwellen müssen diesbezüglich überwunden werden. Darüber hinaus besteht die Gefahr die Technologie aus dem Hype heraus einzusetzen ohne spezifische Einsatzszenarien. Ein Wiki um des Wikis Willen wird nicht genutzt werden. Bestimmte Use Cases müssen auch für Enterprise 2.0 herausgearbeitet und die Technologie hierauf aufgebaut und angepasst werden. Informationsqualität, -sicherheit und die Frage wie kann der anfängliche Hype zum Nutzen werden sind weitere Herausforderungen, die sich die Unternehmen stellen müssen.
Welche Erfahrungen haben Sie bereits im Umfeld Enterprise 2.0 gesammelt?
 
Bei der Siemens AG konnte ich meine Diplomarbeit zum Thema „Social Networking“ als Beispiel des Einsatzes von Enterprise 2.0 schreiben und anschließend praktische Erfahrungen im Umfeld Enterprise 2.0 und SharePoint sammeln. Zusammen mit Kunden der IPI beschäftige ich mich täglich mit dem Einsatz von Enterprise 2.0 im Unternehmen und entwickle vielfältige Szenarien. Generell kann ich sagen, dass rund um das Thema Enterprise 2.0 viel Potential liegt, es vielerorts auch schon erfolgreich eingesetzt wird, es jedoch keine Patentlösung zur Einführung gibt. Wir erarbeiten hier mit unseren Kunden aus unseren Erfahrungen heraus spezifische Lösungen.
 
Mit welchen Themen aus dem Enterprise 2.0-Umfeld beschäftigen Sie sich gerade bei den aktuellen Projekten der IPI GmbH?
 
Aktuelle Projekte beschäftigen sich zum großen Teil noch mit dem Einsatz von Wiki Technologien sowie Social Networking. Die zentrale Frage ist, wie kann ich die Unternehmenskommunikation verbessern. Hierbei stoßen wir immer wieder auf das Thema Unternehmenskultur. Unsere Kunden erkennen, dass die Technologie alleine nicht Enterprise 2.0 ausmacht.
 
Welche Vorteile schafft aus Ihrer Sicht das sogenannte „Mitmachweb“, wo insbesondere Wikis stark genutzt werden?
 
Auch hier können wir am Ende von Innovationspotential sprechen. Der gemeinsame Aufbau von Wissen in der Sprache der Experten und das Bearbeiten von Themen aus verschiedenen Sichtweisen erzeugt neue Aspekte und ermöglich schnelle Informationswege. Persönliches sowie unternehmensweites Wissensmanagement kann gefördert werden.
 
Sie bieten Unternehmen die Realisierung von Social Networks an. Was ist darunter zu verstehen und worin unterscheidet sich das Social Network von einer herkömmlichen Enterprise 2.0-Plattform?
 
Social Networking unterscheidet sich nicht von Enterprise 2.0 sondern ist ein essentieller Teil des Enterprise 2.0. Sie können sich Social Networks als Ergänzung zur klassischen Organisationsstruktur vorstellen, die diese nicht ersetzen, jedoch für ein funktionierendes Unternehmen unverzichtbar sind. Social Networking ist somit als aktive Unterstützung des Aufbaus neuer Netzwerke sowie Pflege bestehender Netzwerke mit Hilfe von neuen Technologien zu sehen. So werden beispielsweise Informationswege sowie Informationsträger transparent und Synergien können entstehen.
 
Investieren Unternehmen genug in neue Technologien wie Enterprise 2.0? Wie schätzen Sie die weitere Marktentwicklung ein?
 
Die Technologien bieten schon heute viele Möglichkeiten. Die Frage ist vielmehr wie können diese in das Arbeitshandeln integriert werden. Hier rücken ganzheitliche Ansätze und weniger einzelne Technologien in den Vordergrund. Somit sollten Investitionen in Zukunft nicht nur in Technologien sondern vor allem auch in Richtung Change Management gehen. Hier bietet SharePoint viele Möglichkeiten Enterprise 2.0 in ganzheitliche Prozesse und Arbeitsabläufe einzubetten.
 
Was raten Sie Unternehmen, die Enterprise 2.0 einführen möchten?
Wir raten unseren Kunden auch bei Einführung von Web 2.0 zu einem iterativen Vorgehen. Use Cases können so identifiziert, analysiert und erprobt werden. Konkrete Erfahrungen können gesammelt werden um einen ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln und zu verifizieren. Spezifische Einsatzszenarien sollten hier einen Einstiegspunkt bieten. Anhand von Prototypen bekommen unsere Kunden klare Vorstellung der Möglichkeiten von Web 2.0 Technologien. So entwickelt IPI gemeinsam mit Ihnen eine Strategie, um den Einsatz von Web 2.0 Technologien in Ihrem Unternehmen zum Erfolg zu führen.
 
Enterprise 3.0 … Gibt es schon Vorstellungen der nächsten Generationen? Und was ist daran besonders?
 
Es ist abzusehen, dass das Thema „Suche“ immer mehr in den Mittelpunkt rücken wird. Auch aus Sicht der Technologien spielen intelligente Such-Technologien eine wachsende Rolle. Statische Inhalte werden womöglich durch personalisierte Suchen ersetzt. Dennoch müssen konkrete Einsatzszenarien erst zeigen, wie sich Enterprise 2.0 entwickeln wird und welche Aspekte in ein Enterprise 3.0 führen beziehungsweise weiter getrieben werden.

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    Anja Weidner