Welchen Stellenwert haben eigentlich noch Wikis? Sind sie nach wie vor ein Mittel, um das „Wissen“ der Mitarbeiter:innen einzufangen und weiterzugeben? Oder hat die Idee längst ausgedient? In unserer dreiteiligen Serie beschäftigen wir uns mit diesen Fragen und schauen uns die Entwicklung von Wikis an. Im ersten Beitrag definieren wir, was ein Wiki eigentlich ausmacht und warum in den Nullerjahren die Wiki-Blase platzte.

Was macht ein Wiki aus?

Eine Antwort auf die Frage, ob wir Wikis heute noch brauchen, ist weder ein eindeutiges ja oder nein. Tatsächlich ist aber das Ziel und der Zweck von Wikis bedeutender denn je, gerade oder besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Erfahrungen und Entwicklungen, die Unternehmen und ihre Mitarbeitenden derzeit machen.

Zunächst gilt es zu definieren, was eigentlich ein Wiki ausmacht und zu welchem Zweck es im Unternehmenskontext verwendet wird. Natürlich bemühen wir erstmal Wikipedia selbst, also sozusagen die Mutter und das Vorbild aller Wikis und recherchieren nach dem Begriff selbst:


„Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“) ist eine Website, deren Inhalte von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser bearbeitet und geändert werden können (Web-2.0-Anwendung). Das Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz) und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. …“

Mit dem Aufkommen von Wikipedia gab es sehr bald schon Versuche, das Konzept auch im Unternehmenskontext zu adaptieren. Häufiges Ziel war es, das unternehmenseigene fachliche Wissen zu sammeln und zu dokumentieren. Das sollte eben nicht nur, wie bisher, durch einige wenige ausgesuchte Personen mit Spezialkenntnissen in der Erstellung von Webseiten erfolgen. Die Idee des Crowdsourcing – etwas hakelig mit „Schwarmauslagerung“ übersetzt – machte im Zusammenhang mit Wikis die Runde und löste teils große Euphorie aus. Die etwas naive Hoffnung bestand in den Anfangszeiten darin, dass ein Wikipedia-ähnliches Lexikon mit dem Experten-Wissen des Unternehmens quasi von alleine entstehen würde, wenn man lediglich die entsprechende Technologie den Mitarbeitern zur Verfügung stellen würde. Das ging sogar so weit, dass man glaubte, damit das komplette klassische Intranet, einschließlich der Basisinformationen über hausinterne Informationen wie Regelungen, Abläufen und Empfehlungen, künftig mit Hilfe der Wikilogik abbilden zu können. Entsprechende Ansätze gab es tatsächlich.

Das Ende der Wiki-Euphorie

Die Euphorie wurde allerdings schnell gedämpft. Man musste feststellen, dass ein „von alleine“ eben nicht so ohne weiteres passiert. Die Ergebnisse waren mitunter eher unbefriedigend: Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Artikel ließen nicht selten sehr zu wünschen übrig. Es entstand in einigen Fällen sogar ein unübersichtlicher und uneinheitlicher Wirrwarr an verschiedenen webbasierten Artikeln, die schnell veralteten und nicht weiter gepflegt wurden, zudem inhaltlich nur zweitklassig und mit wenig Relevanz, bis hin zur Unbrauchbarkeit.

Die große Wiki-Blase platzte so schnell wie sie gekommen war. Das hatte vor allem 3 Gründe:

  1. Man musste anerkennen, dass es sowas wie eine 90-9-1 Regel gibt, die nicht nur im Internet, sondern offenbar auch im Unternehmen ihre Gültigkeit hatte. Sie sagt aus, dass von 100 Wiki-Nutzer:innen 90 Leser sind, 9 Artikel ändern oder kommentieren und lediglich einer auch neue Artikel erstellt und editiert. Bei einer begrenzten Zahl an potenziellen Nutzenden in einem Unternehmen ist klar, was das bedeutet.
  2. Die erfahrenen Mitarbeiter:innen, also diejenigen, die die wertvollen und wichtigen Kenntnisse besaßen, waren im Alltagsgeschäft sehr stark eingebunden. Wenn überhaupt, dann beteiligten sich in der Regel nur solche Mitarbeitende aktiv, deren Expertise (noch) nicht im Arbeitsalltag besonders stark gefordert war. Sie hatten deswegen den notwendigen zeitlichen Spielraum, aber nicht das umfassende und tiefgehende fachliche Wissen. Entsprechend war auch die Qualität der Artikel. Ein kaum auflösbares Dilemma.
  3. Es fehlte die notwendige Unterstützung der potentiellen Wiki-Autor:innen z.B. in Form von sozialer Anerkennung oder in spürbaren Karrierevorteilen, die mit der Wiki-Aktivität verbunden waren.

Im nächsten Teil unserer Serie zeigen wir, wieso Wikis immer noch eine wichtige Bedeutung in Unternehmen spielen und was für unterstützende Maßnahmen dafür notwendig sind.

Haben Sie Fragen zum Thema? Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren – wir stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung!

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    Roland Klein