Im ersten Beitrag unserer Wiki-Serie haben wir definiert, was Wikis eigentlich sind und warum die anfängliche Euphorie verebbte. Heute beschreiben wir die notwendigen Maßnahmen für die Weiterentwicklung von Wikis sowie Gründe für die bestehende Bedeutung.

Begleitende und unterstützende Maßnahmen

Nach dem Platzen der Wiki-Blase, wurde die Idee nicht komplett fallen gelassen, sondern ergänzt durch begleitende Maßnahmen. So versuchte man, die grundsätzlichen Ideen hinter dem Begriff Wiki weiterhin im Blick zu behalten. Diese lassen sich ja letztendlich auf 3 Komponenten reduzieren:

  1. Die Beteiligung von mehreren / vielen Personen (Peer-to-Peer / Crowdsourcing).
  2. Die unmittelbare oder direkte Beteiligung von Personen, die das Wissen des Unternehmens repräsentieren.
  3. Die Nutzung einer Technologie, die es erlaubte, intuitiv, schnell und einfach webbasierte Informationen zu erstellen und zu editieren, die leicht aufzufinden und durchsuchbar waren.

Mit der Zeit entwickelten sich unterstützende Maßnahmen, die dabei halfen, den Vorteil von Wikis zu nutzen, aber sie mit klassischen Webredaktions-Konzepten zu verbinden. Aber auch andere Faktoren und Entwicklungen förderten die Weiterentwicklung der Wiki-Idee. Dabei ging es im Wesentlichen darum, die chaotischen Tendenzen freilaufender und offener Wiki-Artikel-Generierung ein Stück weit einzuhegen und zu steuern.

Dazu zählten beispielsweise:

  • Vergrößerung der Anzahl an Intranet-/Webredakteuren:innen durch zusätzliche Editier-Berechtigungen und der direkten Einbindung von Fachkundigen oder Vertretende aus Fachabteilungen in das Redakteursteam.
  • Die Einbeziehung der Wiki-Idee in die Erstellung und Betreuung von Intranets durch die Verbindung mit einem durchdachten Redakteurskonzept und einem zentral gesteuerten Navigationsmenü.
  • Bewusste Einplanung zeitlicher Verfügbarkeiten für Mitarbeitende, nicht nur zum Zweck der eigenen Weiterbildung, sondern auch für das Teilen ihres Wissens, z.B. in einer Wiki-ähnlichen Struktur.
  • Das Einbinden von Aspekten der aufkommenden Social-Networking-Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. Sie erhöhen die Motivation der Autor:innen durch soziale Anerkennung mit Hilfe diverser Feedback-Mechanismen wie Likes, Kommentare, Diskussionsforen etc.
  • Nutzerorientierte technische Verbesserungen der Intranet- und Collaboration-Plattformen zugunsten einer vereinfachten, intuitiveren Bedienbarkeit.
  • Bemühungen, die Unternehmenskultur durch Change & Adoption Kampagnen in Richtung „Wissen teilen ist wertvoll“ weiterzuentwickeln.

Dass Wikis angeblich tot sind, kann man somit nach heutigem Stand nicht sagen. Allerdings wurden einige Mythen, Hoffnungen und Fantasien der Pionierzeit entzaubert.

Die anhaltende große Bedeutung von Wikis

Die Vision, die mit der Wiki-Idee verbunden ist, nämlich das Mitarbeitende schnell und einfach ihr Wissen auf einer Peer-to-Peer-Ebene untereinander teilen können („Peer-Learning“), ist aber bedeutsamer denn je!

Das hat mehrere Gründe:

  • Information, Erfahrungen und Wissen virtuell und „elektronisch“ zu teilen hat eine zunehmende Bedeutung während der Pandemie-Zeit und vermutlich auch darüber hinaus. Das hat mit Entwicklungen in Richtung Homeoffice-Tätigkeit und, damit verbunden, weniger Zeit für persönlichen Face-to-Face-Austausch, zu tun. Genauso aber auch mit der gestiegenen Erwartung der Mitarbeiter:innen an zeitlich deutlich flexiblere Arbeitstätigkeit oder der Möglichkeit zur Nutzung unterschiedlicher Devices an verschiedenen Orten (Stichwort: mobiles Arbeiten).
  • Der deutlich beschleunigte Wandel des Marktes (siehe VUCA) und die daraus sich ergebenden neuen Anforderungen an die Arbeitswelt und die Mitarbeiterführung (siehe New Work) haben die Halbwertszeit von Wissen erheblich verringert. Eine dirigistische und zentralistische Steuerung von oben herab ist häufig zu träge und mindert die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Mehr Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeitenden, verbunden mit mehr Selbststeuerung und Selbstorganisation in kleinen schlagkräftigen Teams, sind die Antwort auf die zunehmende Unübersichtlichkeit und Beschleunigung des Markts. Dazu passt auch eine selbstorganisierende und dezentrale Wissensgenerierung nach Wiki-Logik.
  • Weitreichende technische Fortschritte wie die Nutzung der Cloud, (Enterprise) Social Media, E-Learning und Learning Management Systeme oder über KI angereicherte smarte Bots schaffen zudem ganz neue Möglichkeiten des Wissenteilens.
    Dazu kommt eine schon fast unüberschaubare Landschaft an Kommunikationsmedien und -plattformen wie Web-/ Video-Meetings, Chats, virtuelle Whiteboards, Communitys of Interest und Practice, Simulationen, virtuelle Barcamps und Hackathons, Augmented und Virtual Reality bis hin zu komplett virtualisierten Welten (Stichwort: Metaverse) u.v.m. Verbunden damit sind neue oder verbesserte Möglichkeiten der Informationsbereitstellung (und zwar über Text- und Bildbasierte Informationen eines klassischen Wikis hinaus): Videos, Podcasts, animierte Grafiken, Kurznachrichten oder gemeinsam und gleichzeitig bearbeitbare Dokumente sind nur einige Beispiele dafür. Diese Entwicklungen erweitern die Kommunikationsmöglichkeiten der Mitarbeiter:innen miteinander enorm und damit auch die Möglichkeiten des Wissensaustausches untereinander.

Das war der zweite Teil unserer Wiki-Serie. Freuen Sie sich auf den dritten und finalen Beitrag, in den wir über die Anforderungen an eine moderne und erfolgreiche Corporate-Learning-Umgebung diskutieren. Bei Fragen oder Anregungen zum Thema oder rund um den Digital Workplace können Sie sich gerne bei uns melden!

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    Roland Klein